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Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste im Landkreis Kitzingen sind trotz Corona bei ihren Patienten. Sie hoffen, dass die jetzige Wertschätzung nicht von kurzer Dauer ist.

Sie haben es nicht leicht. Sie müssen ihre Patienten auch in Corona-Zeiten versorgen. Müssen von Haustür zu Haustür fahren, um die pflegebedürftigen Senioren zu betreuen. Die ambulante Pflege ist in diesen Wochen besonders gefordert. Im Landkreis Kitzingen läuft es offensichtlich überraschend gut.

Anruf bei Claudia Kossyk von der Caritas in Kitzingen. 18 Mitarbeiter betreuen dort rund 120 Patienten. „Natürlich war die Unsicherheit anfangs groß“, erinnert sich die kommissarische Pflegedienstleiterin. „Bei den Mitarbeitern genauso wie bei den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen.“ Kossyk hat sofort Rat beim Hygienemanager Rene Kienstle von der Diakonie gesucht und gefunden. „Der hat uns noch mal auf den neuesten Stand gebracht.“ Mund- und Nasenschutzmasken immer aufsetzen, die Hände nach jedem Einsatz ausführlich waschen, die Autos nach jeder Tour desinfizieren: Die Mitarbeiter waren nach der Fortbildung auf dem neuesten Stand.

„Wir konnten auch deswegen bislang alle Aufgaben ausführen“, freut sich Kossyk. Mehr noch: Weil es freie Kapazitäten in der hauswirtschaftlichen Abteilung gibt, können jetzt auch Einkäufe für die Patienten übernommen werden. „Die Angehörigen gehören ja auch oft der Risikogruppe an und sollen daheim bleiben“, erklärt Kossyk. Der zusätzliche Dienst kommt gut an – und wird den Kunden nicht in Rechnung gestellt.

Monika Koch und ihre Mitarbeiter von den „Dorfschwestern“ betreuen rund 100 Patienten im Einzugsgebiet von Wiesenbronn. Alle seien schnell informiert worden und hätten sehr verständnisvoll reagiert. „Natürlich haben manche Mitarbeiter Bedenken gehabt“, sagt Koch. Vor allem, weil es anfangs sehr schwer gewesen sei, an Schutzmasken heranzukommen. „Das Landratsamt und unser Bundesverband haben geholfen“, erinnert sich Koch. „Außerdem haben wir Mundschutz nähen lassen.“

Kurt Roth ist Geschäftsführer des ambulanten medizinischen Pflegedienstes KMR in Dettelbach. Elf Mitarbeiter betreuen 78 Patienten. Auch hier läuft die Versorgung der Kunden gut. „Unsere Mitarbeiterinnen haben selbst Masken genäht“, berichtet Roth. „Ich bin stolz aufs Team.“ Das trägt zurzeit jede Menge Verantwortung, geht nur mit Handschuhen in die Häuser und achtet auch privat auf so wenig Kontakte wie möglich. Die aktuellen Diskussionen um eine Rückkehr ins normale Leben beobachtet Roth reserviert. „Eine schnelle Lockerung der Ausgangsbeschränkungen wäre ein Fehler“, sagt er. Auch Monika Koch hält nichts von einer schnellen Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen. Zunächst einmal müssten alle Pflegekräfte im Land mit ausreichend Schutzausrüstung versorgt sein. Daran habe es vor allem zu Anfang der Krise gehapert.

Für Claudia Kossyk ist deshalb auch klar, dass sich langfristig etwas verändern muss. „Seit Jahren sind wir abhängig von der Produktion in anderen Ländern“, sagt sie. Jetzt räche sich das Sparen. „Wir haben die Technik erfunden und die Produktion in Billiglohnländer ausgelagert“, bestätigt Kurt Roth die Fehlentwicklung der letzten Jahre. Sein Wunsch: „Wir müssen die Produktion von Schutzmasken und Schutzanzügen wieder nach Deutschland verlagern.“ Ein Umdenken, das auch für andere Wirtschaftszweige gelten müsse. „Letztendlich für das gesamte Handwerk“, meint Roth.

Das bisherige Krisenmanagement von Ministerpräsident Markus Söder stößt bei den Leitern der ambulanten Pflegeeinrichtungen auf Zustimmung. „Er hat schnell reagiert“, sagt Kurt Roth. „Das Verpflegungsgeld kommt bei den Mitarbeitern gut an“, ergänzt Claudia Kossyk. Die finanziellen Zuschüsse von Bund und Land seien unbürokratisch abrufbar. „Im Moment erfahren wir viel Wertschätzung“, freut sich Kossyk. „Hoffentlich ist das alles nicht vergessen, wenn Corona wieder vorbei ist.“

Ralf Dieter, DIE KITZINGER

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