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Würzburg, 29.11.2019. Vertreterversammlung der Caritas tagte in der Franziskanergasse. Wahl des Caritasrates. Sie ist das Parlament der unterfränkischen Caritas: die Vertreterversammlung.

 

Eine dichte Tagesordnung erwartete die Frauen und Männer aus allen Bereichen und Regionen am Freitag im Würzburger Caritashaus. Zur Zusammenkunft im Herbst waren sie aus Regionen, Fachverbänden, den großen eigenständigen Trägereinrichtungen sowie den caritativ tätigen Ordensgemeinschaften unter dem weiten Dach der Caritas gekommen.

Licht-Blicke

Wenige Tage vor dem ersten Advent stimmte Domkapitular Clemens Bieber die Anwesenden mit einem geistlichen Impuls ein. „‘Licht-Blick‘ nennt Jürgen Lenssen das Bild, das uns vor dunklem Hintergrund ein Gesicht zeigt, in dem sich das Licht des Himmels spiegelt – ein adventlicher Mensch. Es kommt darauf an, im Advent wach zu werden für das himmlische Licht, für Gott, der uns und unsere Welt in SEINER Menschwerdung erhellen möchte“, führte Bieber aus. Unsere Gesellschaft brauche Lichtblicke. Das beherzte Engagement junger Leute sei zum Beispiel ein Lichtblick, aber es habe noch nicht das Ganze im Blick, sondern lediglich Facetten. „Wir wollen den Menschen in Erinnerung rufen, dass es das Licht gibt, in dem die Welt in einem anderen Licht erscheint.“ Besorgt stimme ihn, so Bieber, dass die Kirche an dieser Stelle häufig versage: „Die Kirche soll diesen Lichtblick vermitteln und beschäftigt sich derzeit vor allem mit sich selbst und ihren Strukturen. Vielleicht braucht die Kirche erst einmal wieder einen Lichtblick.“ Dazu zitierte Domkapitular Bieber das Gedicht von Lothar Zenetti: „Die Empörung Gottes!“

Caritas ist Kirche

Rückblickend auf das Gespräch aller Verantwortlichen der Caritas aus allen Ebenen mit Bischof Franz am 9. September stellte Abteilungsleiterin Dr. Stefanie Kainzbauer nochmals dar, wie die Caritas sich selbst im Bistum Würzburg versteht und positioniert. In den fünf Dimensionen Gesellschaftssorge, Personensorge, Netzwerksorge, Evangeliumssorge und Kirchensorge verwirkliche die Caritas ihren Dienst an den Menschen. „Dabei umfasst die Caritas alle Grundvollzüge von Kirche“, unterstrich Dr. Kainzbauer. Aus dem Gespräch mit Bischof Dr. Franz Jung berichtete sie, dass Einigkeit darüber bestehe, Caritas und verfasste Kirche auf allen Ebenen möglichst dicht miteinander zu vernetzen. „Unser Bischof will keine exklusive Kirche, sondern eine, die ihrem Anspruch, Kirche für die Menschen zu sein, in Zukunft umfänglich gerecht wird.“ Die Caritas werde sich auf jeden Fall einbringen, wenn es zum Beispiel um die inhaltliche Gestaltung der neuen pastoralen Räume und Teams gehe. „Wir sind mit unseren Diensten und Einrichtungen auch dort präsent, wo die verfasste Kirche immer weniger wahrgenommen wird. Das betrifft unter anderem Kindertagesstätten und Sozialstationen sowie viele weitere soziale, caritative Einrichtungen. Das sind Orte der Seelsorge, der Pastoral.“ Im Kern gehe es um eine Frage der Anerkennung, dass dies „Kirch-Orte“ sind.

Ressourcen mit Verantwortung

Domkapitular Clemens Bieber rekapitulierte nochmals die Ausführungen von Manfred Steigerwald, der beim Treffen mit Bischof Dr. Franz Jung am 9. September Auskunft gab über die finanzielle Lage der Caritas. „Wir konnten sehr gut zeigen, dass die Caritas verantwortungsbewusst mit dem ihr anvertrauten Geld umgeht. Jeder Euro aus der Kirchensteuer ermöglicht umfangreiche Zuschüsse aus der öffentlichen Hand“, führte Bieber aus. „Wo wir einen Euro bekommen, ziehen wir 24 Euro nach.“ Es sei unverständlich, wenn aus Unwissenheit behauptet werde, die Caritas „verbrate“ Kirchensteuermittel. „Der größte Teil wird durch die Dienste selbst erwirtschaftet, damit erreicht die Caritas in Unterfranken mehr als 250.000 Menschen. Dabei arbeiten über 17.000 berufliche und über 20.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit.“ Weniger Kirchensteuermittel habe zur Konsequent, so der Vorsitzende des Verbandes, dass auch weniger Zuschüsse aus öffentlicher Hand kämen.

Der Haushalt der Geschäftsstelle

Was es heißt, mit einem auf dem Niveau von 2018 eingefrorenen Haushalt auskommen zu müssen, machte Michael Sennefelder, zuständig für die Buchhaltung in der Geschäftsstelle, deutlich. „Wir mussten ein Defizit einplanen, also auf Rücklagen zugreifen“, erläuterte Sennefelder. „Aber wir haben umso vorsichtiger gewirtschaftet, Stellen in der Verwaltung, ebenso Leitungspositionen nicht mehr besetzt und konnten damit das geplante Defizit von 1,17 Millionen auf knapp 500.000 Euro im laufenden Jahr verringern.“ Ebenso werde die Caritas sehr behutsam mit den Ressourcen im kommenden Jahr 2020 umgehen. „Jede freiwerdende Stelle wird kritisch in den Blick genommen“, zeigte Domkapitular Bieber auf. Es drängen sich Fragen auf wie zum Beispiel warum es immer mehr Verwaltung brauche für immer weniger Menschen in der Kirche.

Fülle weiterer Themen

Caritasdirektorin Pia Theresia Franke berichtete aus der Delegiertenversammlung des Deutschen Caritasverbandes. Auch in Freiburg, der Zentrale der Caritas, seien große Anstrengungen erforderlich, um Gelder einzusparen. Das gehe mit einem Stellenabbau in den nächsten Jahren einher. Ebenso stellte sie das neue Führungstandem für die Abteilung „Lebenslagen“ Sonja Schwab und Sabrina Göpfert vor. „Wir wollen neue Modelle des Führens und Leitens ausprobieren“, sagte Franke. Es gehe um mehr als die Notwendigkeit, Geld sparen zu müssen.

Neue Wege gehe die Caritas auch bei der Online-Beratung. „Wir wollen, dass unsere Dienste auch online gut gefunden werden können und haben dazu eine gemeinsame Plattform ins Leben gerufen“, berichtete Franke.

Franke wies außerdem auf die großen Herausforderungen hin, die mit der Neuausrichtung der Umsatzsteuer einhergehen werden. Vermutlich würden in Zukunft nicht mehr alle Angebote der Caritas steuerfrei oder steuervergünstigt abgewickelt werden können.

Neuwahl des Caritasrates

„Erstaunlich, wie rasch vier Jahren vorüber gehen“, stellte Domkapitular Clemens Bieber fest. Seit vier Jahren sei die neue Satzung des Diözesanverbandes in Kraft, die auch den Caritasrat als Aufsichtsgremium stärke. „Wir dürfen heute diesen Aufsichtsrat neu wählen.“

Mitglieder des Caritasrates sind: Domkapitular Clemens Bieber und Caritasdirektorin Pia Theresia Franke (beide ohne Stimmrecht), Hans Dieter Arnold, Stefan Dobhan, Franz Engert, Sr. Regina Förtig, Dieter Fuchs, Dr. Rudolf Fuchs, Eugen Hain, Kilian Hartmann, Dr. Anke Klaus, Michael Kuhnert, Emil Müller, Landtagspräsidentin a.D. Barbara Stamm, Pfr. Werner Vollmuth, Stefan Weber und Sr. Lydia Wiesler. (Auf dem Foto fehlen: Hans Dieter Arnold, Dieter Fuchs und Emil Müller)

Nach der geheimen Wahl brachten Domkapitular Clemens Bieber und Caritasdirektorin Pia Theresia Franke ihre Freude zum Ausdruck, dass sich viele erfahrene Vertreterinnen und Vertreter erneut haben aufstellen und wählen lassen.

Aus dem Caritasrat heraus wurden im Anschluss die Finanz- und die Personalkommission gewählt, ebenso Dr. Rudolf Fuchs als Vorsitzender für die Finanzkommission und Hans Dieter Arnold als Vorsitzender für die Personalkommission.

„Zum Dank möchten wir ihnen das kleine Bronzebild des Priesters und Künstlers Egino Weinert schenken“, sagte Bieber. „Es zeigt die Szene des reichen Fischzugs, wie sie uns Lukas berichtet. Ich wünsche uns, dass auch wir die Netze auf der richtigen Seite auswerfen.“

Die Zusammenkunft schloss Domkapitular Bieber mit den besten Wünschen für eine segens- und an Licht-Blicken reiche Adventszeit.

von Sebastian Schoknecht

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