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Rettungsring Demenz: Bitte einsteigen – „Frau Schneider erkennt mich heute wieder nicht. Frau Schneider grinst mich an, Frau Schneider fragt mich aber ungeniert: Sind Sie der, der gegen mich beim Halma verliert?“ So lautet der Refrain des Lieds, das bei der Eröffnung der Demenz-Servicestation am Donnerstag mit zahlreichen Gästen bei der Caritas in der Schrannenstraße 10 gesungen wurde.Viele Facetten der Demenz spiegelt das Lied „Frau Schneider“ wider, alle sind sie der Diplomsozialpädagogin Petra Dlugosch vertraut. Sie erlebt sie täglich, wenn sie im Mehrgenerationenhaus St. Elisabeth mit Demenzkranken arbeitet. „Wenn man es richtig anpackt, schafft man es, gute Stimmung hineinzubringen- und mit hinauszunehmen“, ist Dlugosch überzeugt.

Ihre Arbeit gewinnt immer mehr an Bedeutung, denn die Zahl der Demenzkranken steigt. Etwa 1,2 Millionen sind es in Deutschland, 1240 Betroffene leben im Landkreis Kitzingen. Neben der Betreuung der Erkrankten sei es wichtig, auch den Angehörigen zu helfen, betont der Vorsitzende des Caritasverbands Kitzingen Alfred Volbers. Deshalb habe der Verband die Idee gerne aufgegriffen und setzt sie um.

„Kitzingen braucht eine solche Servicestelle ganz, ganz dringend“, weil es regional einfacher sei, Strukturen aufzubauen und zu helfen. Mein Ziel ist es, ein großes Netzwerk aufzubauen und miteinander zu arbeiten“, sagt Dlugosch. Wenn bekannt sei, wer was wo anbiete, zum Beispiel wo die Möglichkeit einer Tagespflege besteht, könne gezielt vermittelt werden.

Georg Sperrle, Fachbereichsleiter für Gesundheit und Alter vom Caritasverband Würzburg, unterstrich die Notwendigkeit dieser Servicestation, weswegen von der Caritasstiftung ein fünfstelliger Betrag für den Anfang zur Verfügung gestellt worden sei. Die Stadt Kitzingen, der Lions-Club und Geldinstitute unterstützen die Station ebenfalls. Man hoffe auch auf grünes Licht durch den Landkreis Kitzingen.

Dlugosch wünscht sich eine enge Kooperation der Organisationen, die mit Demenz zu tun haben. Nicht jeder müsse zum Beispiel den gleichen Kurs anbieten. Sie denkt aber auch an gemeinsame Schulungen für bestimmte Gruppen, um mit der Demenz richtig umgehen zu können, zum Beispiel am Bankschalter. Manchmal seien es nämlich Kleinigkeiten. Die Caritasmitarbeiterin möchte, dass sich so ein Gefühl für die Mitmenschen entwickelt. Aber auch von den Betroffenen selbst könne man lernen, nämlich auf der emotionalen Ebene zu kommunizieren. „Umarmungen sind notwendig“, betont Dlugosch und fügt schmunzelnd hinzu: „Wir brauchen professionelle Umarmer!“

Solche Helfer, die das wissen, werden in Helferkreis-Schulungen ausgebildet. 17 Personen, vermittelt über Caritas Sozialstationen in Kitzingen und Volkach, werden derzeit aktuell geschult. „Wir greifen gerne auf das von HALMA e.V. aus Würzburg bewährte Schulungskonzept zurück, meint Sabine Elflein, Pflegedienstleitung von der hiesigen Sozialstation ergänzend, denn alle 18 inhaltlichen Themen sind für den Einsatz im Umgang mit Demenzkranken bedeutungsvoll.

Viele dieser Angebote für Betroffene hat auch Petra Dlugosch im Blick, schließlich sollen sich Leute mit der Diagnose Demenz nicht zurückziehen, sondern weiterhin am Leben teilhaben. Schwimmen, Singen und Spielen, wie im Lied gehört, sind hier wertvolle Hilfen. Doch vorerst steht für Dlugosch neben Beratungsgesprächen Netzwerkarbeit auf dem Tagesplan, um zu erfahren, welche Angebote es im Landkreis bereist gibt oder welche geplant sind.

In der großen Zahl der Gäste am Eröffnungstag sah die stellvertretende Vorsitzende Renate Jüstel ein gutes Omen. Sie dankte für den gelungenen Einstieg in den „Rettungsring Demenz“. Damit spielte sie auf das Logo der Servicestation an, das einen Rettungsring, gefüllt mit Menschen” zeigt. Entworfen hat das Logo Annabelle Wich vom Armin-Knab-Gymnasium in Kitzingen. Wie Kunstlehrer Dr. Harald Knobling informierte, habe es dazu einen Wettbewerb an der Schule gegeben.

Bürozeiten der Servicestation in der Schrannenstraße 10 in Kitzingen: Donnerstag von 10 bis 17 Uhr. Terminvereinbarung unter Telefon 09321/2203-0.

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